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Das "Neue Rom"
von Jürgen Bornschein
Die neue Weltordnung unter dem Deckmantel der
Terrorismusbekämpfung läuft auf die Etablierung eines "Neuen
Rom" hinaus, insbesondere was die Behandlung
"unterjochter" Völker und die Wertschätzung von
Menschenleben bzw. -rechten angeht.
Bekanntlich gab es im alten Rom feinsinnige
Unterscheidungen zwischen Inhabern des "Römischen
Bürgerrechtes" und bedauernswerten Angehörigen der eroberten
Territorien inklusive Sklaven. Wer mit christlicher Mythologie vertraut
ist, weiß sich sicher zu erinnern, dass z.B. auch Jesus von Nazareth
als Bewohner der Provinz Palästina letzterer Gruppe zuzuordnen war,
daher durfte er bekanntlich gefoltert und gekreuzigt werden, was bei
"Römischen Bürgern" verboten war. Dieses Schicksal teilte er
bekanntlich mit Millionen anderer Menschen und Sklaven im
Herrschaftsbereich des Römischen Reiches, dessen "Wohlstand"
(für die Römer) das Ergebnis entsprechender Jahrhunderte andauernder
Versklavung und Ausbeutung des größten Teils der damals bekannten Welt
war. (Der Apostel Paulus hingegen hatte das "Glück", als
"Römischer Bürger" nicht gekreuzigt, sondern "humaner
weise" enthauptet zu werden.)
Heute erleben wir eine ähnliche Etablierung einer
neuen, weltweiten Zwei-Klassen-Weltordnung. Europäer und Amerikaner (sorry,
Israelis natürlich auch) genießen, sofern sie nicht selbst gegen diese
neue Ordnung Widerstand leisten, den Schutz des "Neuen Rom" -
ihr Leben ist (und nicht erst seit dem 11.09.01) stets ein Tausendfaches
dessen eines "Nicht-Römers" wert. Den Stellenwert der
damaligen "Sklaven" und unterjochten Völker dürfen heute
Araber, Afrikaner, Lateinamerikaner, Asiaten etc. einnehmen, deren
Schicksal dem "Neuen Rom" so egal ist wie das irgendwelcher
Sklaven im alten Rom, solange sie die ihnen zugedachte Funktion
erfüllen, d.h. sich (und die Rohstoffe ihrer Territorien) ausbeuten zu
lassen und sich in ihr Schicksal zu fügen. Werden Amerikaner oder
Europäer getötet, so ist das ein Verbrechen. Werden
"Nicht-Römer" getötet, egal, ob von den Soldaten des
"Neuen Rom" oder ob sie indirekt den Begleiterscheinungen
dieser Weltordnung, etwa durch Verhungern oder Armut zum Opfer fallen,
so ist das etwa so bedeutungsvoll wie das Zerplatzen einer Fliege auf
der Windschutzscheibe eines westlichen Wohlstands-Automobils - im
Zweifelsfall ist es "Statistik".
Wie das "Alte Rom" gefallen sich auch die
neuen Herren der Welt in der Rolle des "Horts der
Zivilisation", die zwar in Wahrheit, wenn überhaupt, nur für
privilegierte Angehörige ihrer eigenen Schicht gelten und bedienen sich
des Euphemismus der "Zivilisation", um imperiale Eroberung und
Zerstörung in den Mantel der Wohltätigkeit kleiden zu können - im
Zweifelsfall auch gegen den Willen ihrer leider uneinsichtigen Opfer,
die sich der "römischen Beglückungen" erwehren (vgl.
"Das Leben des Brian" : "Was haben uns die Römer
gebracht...?" usw. ;-)) Seit neuestem dürfen auch, wie im
"Alten Rom", Gefangene, die nicht Angehörige der
privilegierten Nationen darstellen, wieder gefoltert werden (vgl. USA -
"Taliban"-Walker, US-Bürger und "andere" Gefangene
etc.) Auch die Bürger des "Neuen Rom" suchen Zerstreuung in
einer Orgie der Dekadenz und Degeneration, die sich der des "Alten
Roms" in bedenklicher Weise nähert, nicht zuletzt, um die
Verbrechen ihrer Weltordnung nicht in ihr Bewusstsein rücken zu lassen
- heute bedarf es dazu keiner Gladiatoren und Amphitheater mehr, sondern
es genügen TV und "Massenmedien".
Das "Alte Rom" bestand viele Jahrhunderte
und es ging nicht durch übermächtige Gegner von außen, sondern durch
inneren Zerfall, Trägheit, Korruption und nicht zuletzt grenzenlose
Arroganz und imperiale Hybris zugrunde.
...und das "Neue Rom"?
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